Das Geld ist in Deutschland ungleich verteilt. Erwerbsarbeit ist ungleich verteilt und nicht gerecht entlohnt. Hausarbeit ist ungleich verteilt und verlangt von Frauen mehr als von Männern. Alles, wofür Frauen & Beruf vor 30 Jahren gegründet wurde, hat sich auch heute noch nicht erledigt. Die Rede von Christel Zeisler beim Politischen Prolog (3.3.16) zum Internationalen Frauentag im Wortlaut.

„Wer das Geld hat, hat die Macht!“ Diese Binsenweisheit hat uns vor knapp 30 Jahren motiviert, Frauen & Beruf Münster ins Leben zu rufen.

Einen Beruf ausüben, eigenes Geld zu verdienen und damit unabhängiger zu sein und das  eigene Leben und gesellschaftliche Strukturen gestalten und mitgestalten zu können, das wollten wir für Frauen erreichen und sie darin unterstützen. So sind wir angetreten und tun es auch heute noch.

Für die Umsetzung eines solchen Vorhabens braucht frau Verbündete und so arbeiten wir seit fast 25 Jahren im Arbeitskreis BündnisFrauenArbeit zusammen: unterschiedliche Institutionen, die in ihrer täglichen Arbeit mit dem Themenfeld Frauen & Erwerbstätigkeit zu tun haben.
Unsere Arbeit hat mit dazu beigetragen, dass Erwerbstätigkeit für die Mehrzahl der Frauen selbstverständlich ist und zur Lebensplanung und Lebensgestaltung dazu gehört.
Aber wenn wir heute hier stehen und uns vor Augen führen müssen, dass Frauen in Deutschland immer noch 22 Prozent weniger verdienen als Männer und wir hier in Deutschland mit diesem Einkommensunterschied immer noch eine negative Spitzenposition einnehmen, treibt es mir/ treibt es uns die Zornesröte ins Gesicht.  Dieses hat mit Macht- und Geldverteilung zu tun.
Eine der Hauptursachen der Entgeltungleichheit zwischen Männern und Frauen ist laut Eurostat die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Familienarbeit. Dem kann ich zustimmen.
Aber Eurostat behauptet, diese Ursache läge außerhalb des Arbeitsmarktes, sie sei also ein privates Thema, was auch dort gelöst werden muss.
Nein! sage ich. In erster Linie sind es die Regeln im Arbeitsmarkt, gestützt durch gesetzliche Vorgaben.

Es sind die Strukturen in Betrieben, die nach wie vor die volle Arbeitszeit wollen, die bei Frauen immer noch den Argwohn hegen, sie könnten schwanger werden, die Teilzeittätigkeit als weniger qualifizierte Tätigkeit anbieten, die ihren männlichen Mitarbeitern signalisieren, dass sich Elternzeit negativ auf das berufliche Fortkommen auswirken könnte – alles das wird in der Regel nicht mehr laut ausgesprochen aber doch kommuniziert und trägt damit zur Fortschreibung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung bei.
Es ist das Ehegattensplittung, das das Hauptverdiener -Modell fortschreibt und Frauen in die Rolle der Zuverdienerinnen drängt: „Teilzeitarbeit lohnt sich doch nicht, da bleibt doch nichts übrig“ oder „ Beim Minijob bleibt mehr im Portemonnaie“. Dieses Modell trägt zur Armut und finanziellen Abhängigkeit bei und festigt die traditionelle Rollenverteilung.

Und immer noch warten wir auf Regelungen für Familien, die berücksichtigen, dass Familien beides brauchen zur Vereinbarung: mehr Zeit und mehr Geld. Und mehr Gestaltungsfreiräume.
Das statistische Bundesamt hat festgestellt, dass Teilzeit arbeitende Mütter gerne mehr arbeiten würden und vollzeitarbeitende Väter eigentlich gerne weniger arbeiten wollen.
Aber in der Praxis bleiben die Frauen bei der kleinen Teilzeit mit allen negativen Folgen. Und die Männer, die in der Regel, wie wir hier sehr deutlich sehen, doch mehr verdienen, arbeiten mehr als Vollzeit. Weil die Familie das Geld braucht. Hier fordern wir von der Politik ein genaues Hinsehen auf die strukturelle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern und wirkliche Lösungen.
22 % im Monat weniger zum Leben, schlechtere Bezahlung, Teilzeitarbeit, weniger qualifizierte Arbeit und letztlich deutlich weniger Rente im Alter. Und das alles, weil die Arbeitsteilung in der Familie nach wie vor kaum stattfindet. Es sind die Frauen, die die Hauptlast der Familie tragen.

Um die Unterschiede sichtbar zu machen, zeigen wir heute beispielhaft sieben Berufe mit ihren Einkommensunterschieden. Wie Sie sehen können, sind es ganz „normale“ Berufe, qualifizierte Ausbildungsberufe:
Hätten Sie gedacht, dass ein Bankkaufmann mit 4.100 Euro nach Hause geht, eine Bankkauffrau aber mit 650 Euro weniger, oder eine Kfz-Mechanikerin 590 Euro weniger verdient als ihr Kollege?
In den Berufen mit Hochschulstudium ist es nicht anders. Bei den Ingenieuren bzw. Bauingenieuren verdienen die Frauen 700 Euro bzw. 639 Euro weniger als die Männer. Und letztlich bei den JuristInnen liegt der Unterschied bei 479 Euro.
Pflege ist doch eine typische Frauentätigkeit, trotzdem verdienen Frauen 318 Euro weniger als Männer in der Pflege. Eine Köchin verdient 1.726 Euro das sind 392 Euro weniger als ihr männlicher Kollege. Der Unterschied bei den BerufskraftfahrerInnen beträgt 149 Euro.
Was hier außerdem deutlich wird: Im Dienstleistungssektor sind die Löhne insgesamt geringer. Gerade im Dienstleistungssektor arbeiten aber die meisten Frauen.  Und eben hier ist der Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen oder Frauen im Minijob besonders hoch.

Wir werden nicht locker lassen, sondern uns weiter einmischen, wenn es um die gleichen Lebenschancen und die gleiche Bezahlung von Frauen geht. Wir werden den Finger immer wieder in die Wunde legen und Altersarmut von Frauen und minder qualifizierte Teilzeitarbeit anprangern und wir werden weiterhin für Gestaltungsmöglichkeiten der Familienarbeit streiten, die den Frauen qualifizierte Erwerbsarbeit und ihre (finanzielle) Unabhängigkeit bis ins Alter sichert.

Vor 30 Jahren gab es noch einen Spruch, nämlich: Teilen, Jungs!
Die Macht teilen, das Geld teilen, die Arbeit und Familienarbeit teilen, das Leben teilen.
Das ist gut für die Frauen und auch für die Männer.
Davon haben alle was.