„Wir würden Leute einstellen, aber wir finden niemanden.“ So kurz und prägnant beschreiben inzwischen viele Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen im Münsterland ihre Situation. Vor allem in der Pflegebranche und dem Verkehrsgewerbe sind viele Stellen unbesetzt. Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Münsterland hat darauf in den vergangenen zwei  Jahren reagiert und mit Ambulanten Pflegediensten und Verkehrsbetrieben an konkreten Fachkräftestrategien gearbeitet.

Personalstrategien für Ambulante Pflegedienste

So wurde mit Ambulanten Pflegediensten unter Beteiligung der Mitarbeitenden gezielt nach betrieblichen Veränderungsbedarfen gesucht. „Dazu gehörte es unter anderem, die Stärken als Arbeitgeberin und Arbeitgeber zu entdecken und stärker für die Personalakquise zu nutzen“, so Heike Schulze-Werner, die die Fachkräfte-Projekte gemeinsam mit Marithres van Bürk-Opahle begleitete. Erfragt wurden auch die Wünsche der Beschäftigten zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sowie zu Fortbildungen im Pflegedienst.
„Wir wissen aus Change-Prozessen wie wichtig eine gute Analyse und eine dialogorientierte Kommunikation sind“, so Heike Schulze-Werner. „Genau so haben wir mit den Betrieben gearbeitet.“ Insgesamt wurden acht Pflegedienste im Münsterland begleitet. Ihre Erfahrungen und auch die Materialien stehen jetzt für alle interessierten Pflegedienste zur Verfügung.

Fachkräfte für Verkehrsbetriebe ausgebildet

In Kooperation mit Verkehrsunternehmen im Münsterland, den Arbeitsagenturen und Jobcentern machten 20 Frauen im Münsterland unter dem Motto „Frauen in Fahrt“ einen beruflichen Neuanfang und entschieden sich für eine Qualifizierung zur Busfahrerin. „Viele Frauen, die zu unseren Info-Veranstaltungen kamen, konnten sich vorher nicht vorstellen, mal einen Bus zu steuern“, sagt Marithres van Bürk-Opahle. Viele von ihnen machten zunächst den Busführerschein und ein Praktikum und lernten so bereits ihre späteren Arbeitgeber kennen. Denn diese suchen dringend qualifizierte und flexible Fachkräfte.
In Rheine wurde eine Teilzeitqualifizierung als Pilotprojekt entwickelt, in der die Frauen auch Teile für die Ausbildung zur Berufskraftfahrerin erwerben konnten. „Alle Frauen, die die Qualifizierung abgeschlossen haben, hatten mit dem Abschluss schon einen Arbeitsvertrag in der Tasche“, sagt Gabriele Lange, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur Rheine. Was sie außerdem erlebt: „Durch das Projekt sind unsere Beraterinnen und Berater, aber auch die Bildungsträger sensibilisiert. Da kommt was in Bewegung.“ Das Fazit des Projekt: „Das Potenzial und der Bedarf sind da – auf Seiten der Frauen und auf Seiten der Arbeitgeber. Man muss nur passgenaue Angebote entwickeln, damit sie zusammenfinden.“

Auch in diesem Projekt entstanden Materialien, die öffentlich zugänglich sind, u.a. ein Film, in dem Busfahrerinnen, Unternehmen, Bildungsträger und Beraterinnen für mehr Frauen in dem Beruf werben. Alle Materialien aus den Fachkräfteprojekten gibt es zum Download unter: http://www.competentia.nrw.de/Muensterland (Publikationen)